Die Sehnsucht nach Sport und Vereinsleben ist groß

Marc Göttlicher im Interview mit dem Generalanzeiger (Foto: Gausmann).

In 75 Jahren ist beim Sportverein Kripp viel passiert. Die aktuelle Herausforderung heißt: Das Vereinsleben trotz Corona mit Leben zu füllen. Alle Aktiven hoffen zum 75. Geburtstag des Clubs auf ein baldiges Ende der Zwangspause.

An diesem sonnigen Nachmittag ist nichts los auf dem Sportplatz am Querweg in Kripp. Die moderne Sportplatzanlage ist in bestem Zustand – aber keiner rennt über den Kunstrasen oder wärmt sich am Feldrand auf. Marc Göttlicher, zweiter Vorsitzender des Vereins SV Kripp, ist sichtlich traurig darüber. Gerne würde er wieder seine Seniorenmannschaft trainieren oder Mütter und Kinder bei Gymnastik und Krabbelgruppe in der Halle sehen.

In 75 Jahren Vereinsgeschichte gab es nie so eine lange Zwangspause wie jetzt durch Corona. Als der Verein am 17. April 1946 aus der Taufe gehoben wurde, war es das Anliegen, die vielen Kriegs-Rückkehrer und Traumatisierten im und mit dem Sport aufzufangen und wieder in eine Gemeinschaft einzubinden. Da wundert es nicht, dass auf dem Gründungsdokument nur Männer unterschrieben haben. „Ja, Sport war damals den Männern überlassen“, bestätigt Göttlicher. Aber seit 1960 turnen auch Frauen hier, mittlerweile sind sogar knapp über die Hälfte weibliche Mitglieder.

Zweimal kam es zu Neugründungen in der Vereinsgeschichte. Die Farben des Logos waren 1946 noch Schwarz/Rot, was weder der Kirche noch der französischen Besatzungsmacht gefiel. Wesentlich später kam es zu einer Abkopplung der – damals sehr erfolgreichen – Tischtennis-Sektion des Vereins. Seitdem wächst aber der Breitensportverein ununterbrochen, sowohl bezüglich der Anzahl der Mitglieder, der verfügbaren Flächen als auch im Angebot an Sportarten. Der Fokus liegt heute auf der Fitness, dem Fußball, Kinderturnen und Karneval.

Im Fußball spielen aktuell vier Mannschaften, eine davon trainiert Göttlicher selbst: „Die höchste Liga, in der wir aktuell spielen, ist die B-Klasse, aber wir sind ehrgeizig. Wir greifen wieder an.“

Natürlich muss er nachschieben, dass die aktuelle Saison annulliert wurde und man auf einen neuen Start im Sommer hofft. Überhaupt ist die Sehnsucht nach Wiederbelebung des Vereinslebens groß. Göttlichers Frau beispielsweise engagiert sich im Bereich Fitness und Kinderarbeit und habe ihm berichtet, dass sie etliche Aufrufe und Nachfragen erreichten, wann es denn endlich wieder losginge.

Letzten Sommer gab es einen kurzen Hoffnungsschimmer und man konnte die Fitnesskurse gemeinsam an der frischen Luft auf der neuen Außenanlage abhalten.

Die im vergangenen September fertiggestellte Sporthalle kann sinnbildlich für die Sehnsucht aller Mitglieder nicht nur nach Bewegung, sondern auch nach Gemeinschaft stehen: Noch kein einziges Mitglied hat hier je trainieren können. Einzig die Trainerin turnt einmal die Woche alleine vor einer Webcam für das Online-Angebot des Vereins vor.

Die moderne Halle verfügt dabei nicht nur über Wlan, sondern über brandneue Gymnastikgeräte und große Umkleiden. Realisiert hat das der Verein, zum großen Teil in Eigenleistung in den Jahren 2019 und 2020 (der GA berichtete). 3000 Stunden Eigenarbeit von 100 Vereinsmitgliedern und 450 000 Euro sind in das Projekt geflossen.

Der Geist des Vereins stecke in dieser gemeinsamen Aktion, so Göttlicher: „Die Leute sind stolz, hier mitgeholfen zu haben, die wissen, welche Wand sie gestrichen haben. Das verbindet nochmal ganz anders.“ So eine Anlage würde man dann auch ganz anders wertschätzen.

Ein Projekt für die nahe Zukunft ist daher auch der Aus- beziehungsweise Umbau des Bolzplatzes auf dem rund 8000 Quadratmeter großen Vereinsgelände. Während Corona kämen öfter Kinder und Jugendliche aus dem Dorf, um auf dem 2009 fertiggestellten Sportplatz zu bolzen. „Das ist aber eine wahnsinnig teure Anlage und sie hinterlassen auch Müll“ – daher wäre der Umbau der Rasenfläche in ein Fußballspielfeld so wünschenswert.

Andere Projekte, für eine Zeit nach Corona, sind die Wiederbelebung des Lauftreffs und „vielleicht, vielleicht“ ein Sommerfest. Bei den Karnevalsaktivitäten des Vereins ist man noch realistischer: Die Proklamation wird in diesem Jahr auf jeden Fall ausfallen, auf eine Prunksitzung mit reduzierter Teilnehmerzahl im Frühjahr 2022 hofft man noch.

Die Veranstaltung ist eine der größten dieser Art im ganzen Kreis Ahrweiler: „Da haben uns dann auch die Linzer lieb – der Karneval macht es möglich. Im Prinzip haben wir den Karneval in Kripp und Umgebung wiederbelebt.“ Viele der 700 Mitglieder nutzen tatsächlich die ganze Bandbreite des Vereinsangebots: Oft kommt es vor, dass ein Fussball-Spieler aus der Senioren-Mannschaft während der jecken Tage als Stadtsoldat agiert oder im Männerballett mittanzt. Vereinsleben ist an 365 Tagen möglich.

Göttlicher selbst ist eines dieser engagierten Mitglieder: als Kind kam er schon in den Verein. Er war aktiver Spieler, Jugendleiter- und Trainer und nun eben noch Vorstand. Zehn bis zwanzig Stunden pro Woche schenkt er dem SV Kripp. „Früher war man ein Leben lang im Verein – wir müssen eben was bieten“, sagt er.

Aber der SV Kripp habe derzeit, trotz der Corona-Pandemie, wenige Abgänge zu beklagen. Ein Vorteil auch, dass Kripp in den vergangenen Jahren, gerade mit der Neubausiedlung im Osten des Ortes, stark gewachsen ist.

Ob die Neuzugezogenen den Kripper Wasserturm im Logo des Vereins erkennen? Auch sie sind herzlich eingeladen mitzumachen und hoffentlich bald „die Anlagen und Hallen wieder mit Leben zu füllen“.

[Quelle: ga-bonn.de]